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· intermedium-Preis Begründung der Jury
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· Jurymitglieder

 

intermedium-Preis Begründung der Jury

In einer Zeit, in der die Struktur und der Reiz der Oberfläche das dominierende Moment bei der Inszenierung und Bewertung von Kunst zu sein scheint, wird es immer notwendiger, deren Prozeßhaftigkeit in den Vordergrund zu stellen. Als Garant für das Wesen, gesellschaftliche Wirklichkeit - in welcher medialen Form auch immer - zu reflektieren, zu infizieren oder auch zu infiltrieren und weiterzudenken, ist eine Veranstaltung wie diese eine Chance für den souveränen, entscheidungsfähigen Menschen. Die diesjährigen Installationen und Beiträge zeigten in den verschiedenen Darstellungsformen das Potential, das im genuinen Kunstschaffen verborgen sein kann.

"intermedium" ist ein fortschrittlicher Ausdruck, der im Zeitalter der totalen Mediatisierung für die tatsächliche Dynamik der Medien spricht. Für die immer wieder erneute Disponsibilität von Generierung von Formen in den gegebenen Medien. Dabei ist der Mensch der Rezipient und Produzent, mit seinen Inter-essen immer dazwischen, er muß sich eigentlich für die Offenheit der Medien entscheiden, damit er nicht - gedanklich und körperlich - festgefahren in sterilen Formen erstarrt. So sind Inter/Medien, die zwischen den Künstler/innen und den Beobachter/innen - zwischengeschalteten beweglichen und uns bewegenden Verschmelzungen diverser Medien, die uns dialogfähig machen und in ihrer Offenheit zu neuen Formen führen. Sie wecken und erzeugen Inter-esse. Deshalb sind Intermedien Befreiungsräume, Atopien der Selbst- und Gemeinschaftsfindung.

Die Jury hat nicht eine einzelne Arbeit ausgezeichnet. Das hat nichts mit Unentschiedenheit zu tun. Jede dieser drei Arbeiten erfüllt für sich die Ansprüche, die wir an sie und die Autoren an sich selbst stellen. So unterschiedlich sie doch sind, so sind sie doch in hohem Maße komplementär und formen einen idealen Ausdruck des Intermedialen, die Fähigkeit, Offenheit darzustellen. Zusammen sind sie ein ABC des Intermedialen, ein gleichwertiges Nebeneinander.

In der Anerkennung, daß Kunst ein Prozeß der Produktion und Rezeption ist, verlassen sich einzelne Arbeiten häufig auf die Verführungskraft des Multi-Medialen. Was wir jedoch an den drei Preisträgern vortrefflich fanden:

a.) die raffinierte und kluge Thematisierung der globalen Dislokalisierung des Menschen.
b.) die Inszenierung eines atmosphärisch-erfüllten sozialen Raumes.
c.) das Parsprototo: nämlich der Mensch im Spannungsfeld zwischen Erscheinen und Vergehen.

Christin Lahr mit ihrer Arbeit '[DPsNtN]=DISPLACED PERSONS say NOTHING to NOBODY' verpflichtet den Betrachter zu einem Erkennen sozialer Abhängigkeiten, die er selbst gestalten kann und muß, um Erfahrungen über die Komplexität der vernetzten Räume überhaupt machen zu können. Es ist eine implizit politische Arbeit, die weit über die übliche Darstellung der Überwachungsproblematik hinausgeht und in ihrem Hinweis auf das Polylogische der Kommunikation den Einzelnen nicht nur heraushebt, sondern wiederum neu in die Masse integriert.

91version.2.0 'a sophisticated soirée' - eine Installation Lounge RadioMix - bringt den Zuschauer als Mitspieler in einen Erlebnisraum, der die körperlichen Wünsche nach einer angenehmen Atmosphäre und die geistige Sehnsucht nach Interesse weckenden künstlerischen Gestaltungen möglich macht. Visuelle, akustische und körperliche Dimensionen gelangen zu einer überraschenden und wohltuenden Verschmelzung durch Rückkoppelung von Herzschlag und Musik über maschinelle sensorielle Prozesse.

Othmar Hörl/Rainer Römer/Dietmar Wiesners 'Staubmarsch', eine Musik-Video-Performance ist eine ideale Verbindung von Installation und Live-Performance, die überzeugende Durchdringung von Bild und Klang. Es ist eine Reise durch Zeit und Raum: durch aufwirbelnde Staubwolken, über Wasserstraßen hinweg, zur Alltäglichkeit von Reinigungsprozessen. Atmen wird zur Musik, das Bild wird zum Rauschen - und evoziert so ein paradigmatisches Stirb und Werde; ein Zurückgeworfensein auf die Basiselemente des Lebens. Aber auch die Darstellung einer lebenslangen Vergeblichkeit und der Wiederkehr des Selben.

Alle drei ausgezeichneten Arbeiten immanent ist, daß jeder Mensch heute als Medium betrachtet werden muß, das auf seine Existenz hingewiesen und zurückgeworfen wird. Eine Existenz in der Zeit, die er sich nehmen muß. Entschleunigung als Voraussetzung des Überlebens.

Elisabeth Schweeger
Harry Lachner
Gerhard Johann Lischka

Karlsruhe, 24. März 2002

 

intermedium-Preis Bedingungen

Der Bayerische Rundfunk stiftet den intermedium-Preis. Er ist mit 12.000,- Euro dotiert. Der Preis ist an keine bestimmte Themenstellung gebunden. Er orientiert sich allein an künstlerischer Qualität, Originalität und der Kreativität einer Vermittlung zwischen Medien verschiedenen Ursprungs.

Ausgezeichnet werden soll die beste Produktion eines Werkes, das eine wesentliche bzw. eigenständige akustische Komponente beinhaltet und sich entweder in intermedialen Spielformen realisiert oder in Form und Konzeption einen intermedialen Entstehungsprozess voraussetzt.

Am Wettbewerb nehmen alle Produktionen teil, die regulärer Bestandteil des intermedium-Programms sind. Ausgezeichnet werden können nur die beteiligten Autoren, Komponisten, Medienkünstler, Regisseure oder Realisationsteams. Über die Zuerkennung des Preises entscheidet eine unabhängige Jury aus Fachleuten und Kritikern.

 

intermedium-Preis Verleihung

Zum Abschluss des Festivals und im Rahmen der Preisverleihung präsentiert Hans Platzgumer die intermedium 2-Thema-Komposition Identitäten 2002.
Die Auszeichnung wird von der Jury begründet. Moderation: Herbert Kapfer. Der Preis wird von Christoph Lindenmeyer (Leiter der Hauptabteilung Kultur im BR) überreicht.

Do  ::  28.3.  ::  23.00 Uhr  ::  Bayern2Radio/hr2/WDR3/Ö1/SWR2
So  ::  24.3.  ::  22.00 Uhr  ::  ZKM Foyer

 

Jurymitglieder:

Elisabeth Schweeger
Studium der Literaturwissenschaften, Lehrbeauftrage an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste. Von 1986-1992 Leiterin des Ausstellungsreferates an der Akademie der bildenden Künste. 19932001 Künstlerische Leiterin des Marstall, München; 19992001 Chefdramaturgin am Bayerischen Staatsschauspiel. Ausstellungskuratorin u.a. für Ars Electronica, documenta, OK Linz, Museumsquartier Wien. Kommissärin der 49. Biennale Venedig / Österreichischer Pavillon. Seit September 2001 Intendantin des schauspielfrankfurt

Harry Lachner
arbeitete nach dem Studium der Germanistik und Anglistik als Literatur- und Musik-Kritiker zunächst für die Stuttgarter Nachrichten. Seit Mitte der 80er Jahre verstärkt Arbeiten für den Rundfunk im Musikbereich, insbesondere für BR, SWR und WDR. Seit 1991 freier Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung; verfasste Drehbücher und Hörspiele; lebt in München

Gerhard Johann Lischka
Kulturphilosoph, Schriftsteller; Veröffentlichungen u.a. Splitter Ästhetik (1993), Schnittstellen. Das postmoderne Weltbild (1997); Herausgeber der Reihe um 9 und der Kunstforum-Bände Aktuelles Denken, Performance und PerformanceArt, Im Netz der Systeme (gemeinsam mit Peter Weibel); Dozent an verschiedenen Kunstakademien; Organisator von Symposien und Ausstellungen; lebt in Bern