Author:   graesser  
Posted: 11.10.2000; 17:07:58
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN YUME NO ATO
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YUME NO ATO - WAS VOM TRAUM BLIEB... << zurückweiter >>
Seine Ausstellungen erzählen Geschichten ohne Anfang und Ende, in denen jedes Bild in einen Dialog mit den anderen tritt, sie kommentierend, fortsetzend, zusätzliche Details liefernd. Eine Reihe befremdlich surrealer Kompositionen, mit Pigmenten und Farbstiften in transparenter, heller Farbigkeit aufs Papier oder die Leinwand gehaucht. Die Entscheidung für sehr kleine oder sehr große Bildträger relativiert die Bedeutung der Größe bzw. Proportion und entspricht damit der Freiheit, die sich der Künstler auch bei der Umsetzung seiner Bildzeichen nimmt. Immer erscheinen die Räume, die häufig durch Draperien wie Bühnen wirken, maßlos. Im Verhältnis zu den kleinen Figuren, Tierwesen, Stühlen, Pflanzen oder Bäumen, aber auch Flugzeugen oder Kriegsschiffen, die vereinzelt oder in Gruppen, immer aber einer geheimen Choreographie gehorchend die Szene trotz ihrer Winzigkeit und nur skizzenhaften Andeutung beherrschen, erscheint der Raum unermeßlich groß. Auch von außen betrachtet entzieht er sich trotz der geradezu pedantisch betonten Zentralperspektive einer architektonischen Zuordnung. Alles scheint schwerelos in den Mikrokosmen, deren unbekanntes Leben Sugito vor uns ausbreitet ohne es je zu verraten. Und auch wir scheinen zu fliegen, nicht so hoch ist der Blickwinkel, als ob wir im Flugzeug säßen, sondern gerade so, als könnten wir in geringer Höhe schweben: unbelastet vom Körper nur Auge, so wie wir es im Traum können. Aber wie in Flugträumen bleiben wir auch hier Fremde, die ausgeschlossen bleiben aus der ganz eigenen, für uns undurchschaubaren Gesetzen folgenden Welt. Vielleicht haben wir damit Glück gehabt, denn was auf den ersten Blick so harmlos wirkt, scheint sich in zwingender Konsequenz zum Alptraum zu entwickeln. Ein Gefühl der Bedrückung, der Ausweglosigkeit und der bevorstehenden Katastrophe kennzeichnet nicht selten die fragilen Bildentwürfe, die unsere Sinne für das Fortschreiten der Zeit gerade durch ihre scheinbare Bewegungslosigkeit schärfen. Es ist, als müsse man den Atem anhalten, um den Moment verweilen zu lassen, weil das Danach unvorhersehbar ist.

Margrit Brehm