Author:   graesser  
Posted: 11.10.2000; 16:58:11
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN YUME NO ATO
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YUME NO ATO - WAS VOM TRAUM BLIEB... << zurückweiter >>
Sudas Installationen bedienen sich extrem realistischer, maßstabgetreuer Holzschnitzereien von Schnittblumen und Gräsern. Diese komplizierten und mit großem Geschick angefertigten Holzschnitzereien von Blumen sind so klein, daß die Art und Weise, wie der Künstler sie in einem weiten Raum plaziert, auf den ersten Blick unpassend erscheint. Als Ganzes genommen, weisen die Installationen jedoch eine mysteriöse Harmonie bei der Erforschung des Verhältnisses von Falschem und Wahrem, Leben und Tod auf. In seinen sorgfältig kalkulierten Kompositionen zeigt Suda eine raffinierte Kunstfertigkeit, die oftmals mit der Arbeit eines Gärtners oder eines Bühnenbildners verglichen oder mit der traditionellen Kunst des Ikebana und der Wandnischengestaltung bei der Teezeremonie in Beziehung gesetzt wird. Sudas Hauptinteresse liegt jedoch nicht auf der Präsentation des Naturschönen in einem Innenraum. Vielmehr beabsichtigt er, einen Raum zu gestalten, ”der zu existieren scheint, aber nicht existieren kann”. Mit anderen Worten: eine plausible Realität zu schaffen, die zugleich gänzlich illusionär ist.
Mit wenigen Ausnahmen bevorzugt Suda Pflanzenformen mit vergleichsweise geringem symbolischen oder semiotischen Wert, zum Beispiel Tulpen, Rosen oder Unkraut. Sudas Holzblumen drücken eine geballte Energie aus, die die ”Quelle aller Dinge” ist. Samuel Beckett sagte in einem Aufsatz über Proust, daß Blumen und Pflanzen keinen bewußten Willen haben. Sie schämen sich nicht, ihre Fortpflanzungsorgane freizulegen. Durch die Entblößung ihrer Sexualität/ihres Lebens verkörpern Sudas Blumen einen starken, unbewußten Willen zur Existenz.