Author:   graesser  
Posted: 11.10.2000; 16:55:39
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN YUME NO ATO
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YUME NO ATO - WAS VOM TRAUM BLIEB... << zurückweiter >>
Der Traum von der Kunst, der in dieses Land transplantiert worden ist, ist nicht wirklich mit dem Leben auf unseren Inseln kompatibel. Jeder, der sich hier mit Kunst beschäftigt, kommt früher oder später zu dieser Erkenntnis. Man mag fragen, ob Kunst auf diesen Inseln am richtigen Ort ist, während man die Kluft zwischen bijutsu (= der Kunst) und dem Leben sowie der Art, einseitige Urteile zu fällen, zitiert. Das System ist jedoch bereits etabliert und in Bewegung. Das Getriebe dreht sich einfach weiter. Wir sind bereits Teil des Systems und – unbewußt – sind wir unfähig geworden, einen Umschwung zu erträumen.

Yoshio SHIRAKAWA
Die Werke von Yoshio Shirakawa erwecken ein seltsames Unbehagen, auf dem das japanische Wort bijutsu (Kunst) lastet. Die japanische Moderne hat mit der Adaption moderner bzw. westeuropäischer Kultur – darunter eben auch die schönen Künste – eingesetzt. Der Begriff "Kunst” sowie ihre Errungeschaften sind das Ergebnis einer langen Reihe von Kämpfen, die seit dem 14. Jahrhundert ausgetragen wurden, und genau dieser Entwicklungsprozeß ist bei der Rezeption in Japan, wo lediglich die Resultate zählten, völlig unterschlagen worden. In Werken wie "Wakon Yosai and the Samurai” oder "House of Memory” macht Shirakawa diese Ambivalenz sichtbar und produziert ein Unbehagen, das unvermeidlich Fragen aufwirft.