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D Kuratorische Konzepte

Author:   maryam  
Posted: 19.03.2002; 11:36:49
Topic: D Kuratorische Konzepte
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Identität heute definiert sich im Spannungsbogen von Selbstauflösung und Vervielfältigung. Der Körper ist die Schnittstelle zwischen realer und virtueller Welt. Der Körper, nicht die Technik, stellt die Verbindung her zwischen Cyberspace und Realität. Mit der zunehmenden Digitalisierung des Körpers, unserer Anbindung an elektronische Netzwerke, wird die Nutzlosigkeit und die Abschaffung des Körpers beschworen. In den virtuellen Welten ist es uns möglich, die engen biologischen Grenzen des eigenen Körpers zurückzulassen, ohne ihn wirklich zu verlassen und sich als Avatar im elektronischen Universum zu bewegen. Die Erfahrungen, die wir im elektronischen Netz sammeln und die eigene Körperwirklichkeit stimmen nicht mehr überein. Virtualisierung bedeutet nicht Entkörperlichung, sondern Verdoppelung. Der Datenkörper dient als Vehikel, durch das Fernanwesenheit möglich wird. In elektronischen Netzwerken wird Identität zur Wahlmöglichkeit. Der virtuelle Raum des WorldWideWeb ermöglicht es jedem User, in der Interaktion mit anderen völlig neue Identitäten anzunehmen und zu generieren. Der Aufenthalt in elektronischen Netzwerken steigert Wahrnehmungsmöglichkeiten und verstärkt die Möglichkeit frei wählbarer Identitäten. Im virtuellen Chat-Room findet Kommunikation nicht von Angesicht zu Angesicht statt. Bisherige Identifizierungsmerkmale wie Aussehen entfallen und werden durch selbst kreierte Merkmale wie sprachliche Beschreibung, Namensgebung etc. ersetzt. Unsere Vorbilder kommen aus der Welt der Medien, die Klischees und Identitätsmuster bieten. Befreit von Individualität, dienen sie als Projektionsflächen, die als Vorlage für die Umsetzung in der realen Lebenswelt dienen. Die Medienwirklichkeit verdrängt die Realität und wirkt auf diese zurück, der reale Körper wird zum Abbild eines Originals, welches in seiner Perfektion nur in den Medien oder im Cyberspace erreichbar ist.

Die Ausstellung soll Aufschluß geben über künstlerische Praktiken, die sich mit dem Zerfall des Subjekts auseinandersetzen, die sich beschäftigen mit der Entgrenzung des Subjekts an der Schwelle von Realraum und virtuellem Raum, der Etablierung fiktiver Identitäten im Cyberspace, der Veränderung, Auflösung und Multiplikation des Subjekts durch Verlust der Identität im Zeitalter gentechnischer Manipulierbarkeit, der fortschreitenden Grenzverschiebung zwischen Mensch und Maschine und deren Auswirkungen und Rückkoppelungen auf den realen Körper. Sie stellt grundsätzliche Fragen zur Konstruktion von Identitäten, deren kulturelle Bedingtheit und mediale Reflektion.

KünstlerInnen: Manuela Barth/Barbara U. Schmidt, Felix Stephan Huber, Christin Lahr, Kristin Lucas, Björn Melhus, Anny Öztürk, Paul Smith, Milica Tomic



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