Author:   Heike Borowski  
Posted: 11.11.2005; 16:33:03
Topic: Kosuth Werk
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Joseph Kosuth

Biografie


Five Words in Red Neon, 1965
Sektion O Lichtgrafiken

10 x 147 cm Neonschrift
30 x 160 x 15
Neon-Systeme, Plexiglaskasten
Sammlung FER

Sinn, Bedeutung, Kontext, Wahrnehmung, Bewusstsein - das sind zentrale Begriffe des Werks Joseph Kosuth, der in seinen Arbeiten auf stark abstrahierter sprachlicher Ebene Kunstbegriff und Kunst in ihren unterschiedlichen Bezügen reflektiert. Zur Erforschung des Verhältnisses von Sprache und Kunst benutzt er unterschiedliche Quellen - lexikalische Definitionen, den Rosettastein, Texte von Freud, Wittgenstein, Thomas Mann und Franz Kafka. Er thematisiert die Frage, wie Bedeutung entsteht, um so die Grenzen der Aussagekraft eines Kunstwerks auszuloten. Seine frühen, Mitte der sechziger Jahre entstandenen, analytischen »Propositionen« [Kosuth] vermitteln keine Informationen, die über die in der Arbeit selbst liegenden Tatsachen hinausgehen. Bedeutsam ist nur, was man sieht: Es gibt keine Bedeutung hinter den Dingen.
Gleichzeitig entstanden die »Proinvestigations«, in denen Kosuth ein Objekt, dessen Abbild und die lexikalische Definition des Objekts nebeneinander präsentierte, später verwendete er ab fotografierte und vergrößerte Definitionen aus Wörterbüchern. Seit Mitte der siebziger Jahre erweitert Joseph Kosuth seine Untersuchungen um die Bedeutung von Sprache in der Kunst um den kulturellen Kontext: In verschiedenen Städten brachte er an Plakatwänden Texte an, die erst durch die Aufmerksamkeit der Passanten bedeutsam und zum Kunstwerk werden sollten. Seit Anfang der achtziger Jahre reflektiert Kosuth den Bedeutungswandel eines Kunstwerks in geschichtlicher Sicht: Er reproduziert ältere Werke der Kunstgeschichte, stellt sie auf den Kopf und gibt ihnen damit eine neue, abstrakte Dimension.
Seine Arbeit »Five Words in Red Neon« aus dem Jahr 1965 stellt eines der frühen Beispiele für die tautologische Übereinstimmung von Gegenstand und Darstellung in der amerikanischen Konzeptkunst dar. Während der Künstler die Entfaltung der Unterschiede zwischen Sprache, Bild und Gegenstand in Arbeiten wie den »One and three Triangles« aus dem gleichen Jahr vorführt, beschränkt er sich hier in der Wahl des Bildgegenstandes auf die Sprache selbst.
hb