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inactiveTopic Herold Werk topic started 11.11.2005; 14:16:10
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user Silke Altvater - Herold Werk  blueArrow
11.11.2005; 14:16:10 (reads: 16749, responses: 0)
 
Georg Herold

Biografie


House within His Darkness [Cyber- Merz], 1995
Installation
Sektion P Flash Lights

325 x 195 x 258 cm
Holz, Stahlrohr, Leuchtstofflampen, Apfelsine, Elektroinstallation, Starkstrom
Kunstmuseum Wolfsburg

Nach einem kurzen Mathematikstudium und einer Lehre begann der in Jena geborene Georg Herold ein Kunststudium, das er nach seiner Übersiedlung in die BRD in München an der Akademie der bildenden Künste bei Karl Fred Dahmen fortsetzte. Von 1977 bis 1981 studierte er bei Franz Erhard Walter an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, wo er Sigmar Polke und Ulrich Rückriem begegnete. Herold schöpft sein Repertoire aus allgemeinen Standards, aus den Realitäten, mit denen wir uns umgeben: Hausrat, Abfall, Sammelkultur, Körperpflege; seine bevorzugten Materialien sind ungehobelte Dachlatten, Ziegelsteine, Beton, Draht, Pappe oder Neonröhren. Indem der Künstler Gegenstände des täglichen Lebens aus dem Kontext der »Wirklichkeit« hinein in den Kontext »Kunst« führt, wird stets der uneindeutige, mehrdimensionale, offene, »multiple« Zustand von »Wirklichkeits-Kunst« zum Thema. Mit seinen ironisch verfremdeten Arbeiten, die ihn in die geistige Nähe eines Marcel Duchamp führen, nimmt Herold seit Beginn der 80er Jahre eine markante Position innerhalb der internationalen Gegenwartskunst ein. Seine Arbeiten sprechen den Betrachter gezielt an, weil sich ihm die Frage nach ihrer Bedeutung als Doppelcharakter aufdrängt. Prominentestes Beispiel hierfür dürften sicher Herolds »Kaviarbilder« sein, die mit einem Übermaß purer Dekadenz konfrontieren - echter Kaviar als Bild - der Luxus aber bald zur ungenießbaren Genuss des Bildes führt. Eine ähnlich zu beschreibende Ambivalenz offenbart sich auch bei »House within His Darkness (Cyber- Merz)« aus dem Jahr 1995, ein im Maßstab stark verkleinertes, aus Leuchtstofflampen bestehendes, auf Stelzen montiertes Häuschen. Das Haus ist seinem Zweck entfremdet, es kann nicht bewohnt werden – eine Komponente, die als visualisiertes Entleertes zu einem Bild der Verallgemeinerung und des Entzugs von Sinn avanciert. Wunderbar die Absurdität, die hier aufscheint, von Herold jedoch nicht mutwillig herbeigeführt, sondern lediglich mutwillig deutlich gemacht durch die bloße Darlegung der Dinge und Materialien. Wie und nach welchen Prinzipien Kunst beurteilt wird, bedeutet für Herold nicht die Bestimmung ihrer Wertigkeit. Fernab einer Sprachordnung bedient sich Herold ihrer zur Herstellung eines formalen Konstruktionsprinzips, das so offensichtlich dargelegt ins Widersprüchliche mündet, nicht selten ins Absurde. Übrigens verweist der Name des im Titel genannten Künstlerkollegen nicht, wie man im Kontext der Ausstellung fälschlicherweise vermuten könnte, auf Mario Merz. Das illuminierte Bauwerk verweist humorvoll auf das Werk von Gerhard Merz. Das extrem auf Reduktion angelegte Werk des in Berlin lebenden Künstlers bindet seit den neunziger Jahren vor allem architektonische Elemente in die künstlerische Arbeit ein.
hb