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inactiveTopic Sektionen | C | Lichtambiente topic started 15.11.2005; 17:38:33
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user Heike Borowski - Sektionen | C | Lichtambiente  blueArrow
15.11.2005; 17:38:33 (reads: 9164, responses: 0)
  Sektion C Lichtambiente


Ende der 1950er Jahre entwickelten Künstler in Deutschland, Frankreich, Italien sowie zum Teil in Argentinien, Brasilien, im ehemaligen Jugoslawien und in der Schweiz die Lichtkunst zum Raumerlebnis und schufen objekthafte und räumliche Wahrnehmungssituationen. Die Werke erfordern erstmals Partizipation anstelle von Kontemplation und setzen auch erstmals Virtualität ein. Drei wichtige Licht-Ambiente der italienischen Gruppo T [Gabriele De Vecchi, Davide Boriani, Giovanni Anceschi, Gianni Colombo] aus dem Jahr 1966 wurden daher im Auftrag des ZKM in Übereinstimmung mit den Künstlern rekonstruiert. Sie sind wie viele andere Objekte und Installationen erstmals seit 40 Jahren wieder zu sehen. Die Gruppo T [von ital. »tempo« = Zeit] realisierte begehbare Lichträume, die an das Verhalten des Eintretenden gebunden sind und deren Wahrnehmung von Programmierung und Zufall abhängt. Zeitgleich und mit ähnlicher Thematik arbeiteten Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker, die zwischen 1957 und 1966 den Kern der Künstlergruppe ZERO bildeten. Die Werke von ZERO und Adolf Luther zeigen im Raum verteilte Objekte, die leuchten oder beleuchtet werden und so ihre Materialität »auflösen«. Skulpturale Gebilde projizieren bewegliche Lichtmuster in den Raum, so dass der Betrachter von Licht- und Schattenformationen umgeben ist. Lichtboxen und -skulpturen von Grazia Varisco, Erich Buchholz und Imi Giese setzen bereits früh künftige Positionen fest. Die ZERO-Installationen reizen die Spannung zwischen den konkreten Skulpturen und den immateriellen Lichtprojektionen aus. Auch in Frankreich arbeiteten in den 1960er Jahren Künstler beispielsweise Nicolas Schöffer, Jean Tinguely und François Morellet an neuen Wahrnehmungserfahrungen. Bei James Turrell wird die Kunst regelrecht zur Wahrnehmungsübung: »Ich hoffe, dass man sein eigenes Sehen sieht und dass dieser Akt der Selbstreflexion, des Sich-Sehen-Sehens, mehr über das Sehen des Betrachters aussagt.«


Ausgewählte Werke

James Turrell
Atlantic Charge, 1988