Author:   Heike Borowski  
Posted: 14.11.2005; 22:27:40
Topic: Ausgewählte Werke | Eliasson
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  Olafur Eliasson

Biografie
Werke in der Ausstellung


Your intuitive sky, 2000
Sektion K Spiel mit Naturphänomenen

Olafur Eliasson lässt in seinen Arbeiten künstliche Landschaften, klimatische oder biologische Abläufe sowie Licht- und Farbphänomene entstehen, mit denen die traditionelle Differenz zwischen Natur und Kultur und deren Grenzen hinterfragt wird. Neben Luft, Wasser, Nebel, Feuer und Farbpigmenten spielt das Licht eine wesentliche Rolle, ein Thema, das der 1967 in Dänemark geborene Künstler bereits im vergangenen Jahr mit einer umfassenden Werkschau unter dem Titel »Your Lighthouse. Arbeiten mit Licht 1991 – 1994« einer breiten Öffentlichkeit vorstellte. Sein Werk lebt vor allem von der Auslotung optischer und physikalischer Phänomene, wie sie aus der Natur und den Naturwissenschaften bekannt sind. Entsprechend entmystifiziert sind seine Methoden, mit denen er beispielsweise bestimmte Effekte erzielt; seine Werke sind vielmehr das Ergebnis intensiver Beobachtung der Natur und ihrer Gesetze, vor allem aber auch des Betrachters – man könnte auch sagen, dass seine scheinbar rein physikalischen Experimente vor allem Experimente mit unseren Wahrnehmungsmodellen sind. Empfinden, sehen, widerspiegeln, umgrenzen, assoziieren, vermitteln, bewegen, Evolution, Raum, Zeit, Bild – über diese Schlüsselwörter nähert man sich seinem Werk eher als über physikalische Gesetze. Fast verhält es sich so, als würde der Künstler dem Ausstellungsbesucher ein Angebot machen, das auszuschlagen oder nicht zu nutzen pure Verschwendung wäre, denn immer bezieht Eliasson die sinnliche Wahrnehmung, Reflexion, Erinnerung und Projektionen des Betrachters mit ein. Dieser verändert durch seine Anwesenheit die Installationen, nimmt Einfluss auf den Ablauf von Ereignissen und wird sich seiner Wahrnehmung und seiner selbst als Wahrnehmender bewusst – ein Verhältnis, das auch in dem sich häufig wiederholenden Pronomen »your« in den vom Künstler gewählten Ausstellungs- und Werktiteln deutlich wird: »Your activity horizon« [2004], »Your space embracer« [2004], »Your spiral view« [2002], »Your sun machine« [1997] oder eben »Your intuitive sky«. Diese Installation aus dem Jahr 2000 besteht aus einer sich drehenden Lochscheibe, unter der sich ein Lichtsensor befindet. Der Sensor erfasst das Licht einer darüber installierten Glühbirne, worüber entsprechend seiner gemessenen Lichtmenge die Lichtstärke in dem sich daneben befindlichen Leuchtkasten gesteuert wird. Scheinbar an der Sonne vorbeiziehende Wolken werden auf diese Weise erzeugt, objektiv betrachtet, aber eben auch »intuitiv«, denn was als eine Art Anthologie von Spezialeffekten erscheint, ist - auch - »die Metamorphose der Natur aus der technischen Welt zurück in die der Welt der Sinne« [Peter Weibel]. Das bewusste Wahrnehmen dieses Prozesses erscheint umso erstaunlicher, da dem Einzelnen physikalische Strukturen, die wir häufig als Kulturmodelle zu kennen glauben, oft so natürlich erscheinen, dass fälschlicherweise angenommen wird, es handele sich dabei tatsächlich um Modelle unserer Umgebung.
hb