Author:   graesser  
Posted: 11.10.2000; 16:42:36
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN YUME NO ATO
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YUME NO ATO - WAS VOM TRAUM BLIEB... << zurückweiter >>
Von zentraler Bedeutung für das Werk Murakamis ist die Auseinandersetzung mit der Manga-Kultur, die er als bedeutenden Aspekt in der Sozialisation seiner und der folgenden Generationen begreift. In der Wiederaneignung der Codes seiner Kindheit, den Robotern, Comics und Zeichentrickfilmen, die er ungeachtet ihres niederen inhaltlichen Niveaus und ihrer schlechten zeichnerischen Qualität aufgreift, reflektiert er die stereotypen Figuren als Symbole einer Gesellschaft und ihres Wandels. Das japanische Wort "Otaku” (ein vor rund zehn Jahren geprägter Neologismus) beschreibt für ihn ein gesellschaftliches Phänomen - "junge Leuten, die arm an Kommunikation mit anderen sind, die aus der realen Welt in eine zweidimensionale Phantasie ohne soziale Bezüge fliehen und unglaubliche Energie in die sorgsame Sammlung detaillierter Informationen über ihre eigenen Interessen investieren." Seine Kunst reagiert auf diese autistische Tendenz, ist zugleich "Selbstportrait und Spiegel der Otaku-Kultur".

Margrit Brehm