Author:   graesser  
Posted: 11.10.2000; 16:41:44
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN YUME NO ATO
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YUME NO ATO - WAS VOM TRAUM BLIEB... << zurückweiter >>
zugrundeliegende Idee und eine sehr klar definierte Werkstrategie zu erklären, die es erlaubt in den unterschiedlichsten Medien zu agieren. So simpel viele der Werke Murakamis auf den ersten Blick wirken, so kalkuliert und treffsicher sind sie auf ein postmodern geschultes, intellektuelles Zielpublikum ausgerichtet, das die ironischen Brechungen wahrnimmt und das Spiel mit Versatzstücken aus der Massenkultur ebenso goutieren kann wie die Bezüge zur Geschichte. Die Basis dieses Spiels auf höchstem Niveau ist eine flexible Anwendung von Wissen und zwar einer neuen Art des Wissens, das sich nicht mehr nur aus der eigenen oder fremden Kunsttraditon, sondern auch aus der globalen Informations- und Bilderflut speist.
Angefangen hat Takashi Murakami an der Tokyo National University of Fine Arts. Dort studierte er Nihon-ga, japanische Malerei. Wenn seine Gemälde noch heute in ihrer formalen Umsetzung – der fein bearbeiteten, planen Bildoberfläche und der Übertragung der
Bildidee in Linien und Flächen, aber ohne Volumen – die Kennzeichen dieses traditionellen Malstils aufweisen, so erklärt sich das aus der Beobachtung des Künstlers, daß gerade diese Flächenhaftigkeit und Linearität den Rezeptionsmechanismen der comicgeprägten "Bildschirm-Generation” entsprechen, der jede haptische Qualität eher suspekt ist. Der Anwendung der Methode unter neuen Vorzeichen entspricht die Konzentration auf Motive, die aus der Manga-Kultur entwickelt wurden und das Glattschmirgeln der Oberfläche und der Seiten, wodurch jede malerische Geste ausgelöscht wird und das Gemälde die spurenlose Ästhetik eines Industrieproduktes annimmt.