Author:   graesser  
Posted: 11.10.2000; 16:34:38
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN YUME NO ATO
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YUME NO ATO - WAS VOM TRAUM BLIEB... << zurückweiter >>
In "Kumano (Alaya)", 1997-98, der Videoarbeit, die neben der Fotoarbeit "Head in the Clouds” und der Edition "Star Doll” in der Ausstellung "Yume no Ato” zu sehen ist, tritt die Künstlerin als Shinto-Priesterin in einem von numinosen Strahlen mystifizierten japanischen Bergwald auf. Ganz einem Ritual hingegeben, dessen Authentizität wir nicht einschätzen können, bewegt sie sich singend und tanzend durch einen Wald und kommt zu einem fluoreszierend blauen Tempel. Im Inneren dieses ortlosen Ortes scheint sich eine Zeitenwende zu vollziehen: Aus der traditionell gewandeten Shinto-Priesterin wird ein cyborghaftes Zukunftswesen mit lila Haaren, das aber ebenso wie sein Alter ego den Klängen und geheimnisvollen Ritualen zu folgen scheint. "Kumano" ist zweifellos die Arbeit Mariko Moris, in der der Glaubens- wie auch der Kunsttradition Japans die größte Bedeutung beigemessen wird. Aber erinnert uns die Integration der Schriftzeichen auch an traditionelle Gemälde von Zen-Meistern, so zeugt das Werk mit seinen glühenden Farben und allzu perfekten Oberflächen doch zugleich von seiner Gegenwärtigkeit, dem Einfluß der Popkultur und den technischen Möglichkeiten des späten 20. Jahrhunderts, die hier professionell und mit Bravour ausgespielt werden.

Margrit Brehm