Author:   Kevin Wells  
Posted: 25.06.2002; 15:30:22
Topic: ARCHIV - PROPHETS OF BOOM - THEMEN01
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Symbionese Army press photo, 1976,
vintage wire press print, 25,4 x 20,3 cm

Politische Ikonen – das Eigenleben der Bilder


Patty Hearst: "They wanted to overthrow the government of the United States and ..."
Larry King: "With eight people?"
22. Januar 2002

So todernst Revolutionäre ihre Sache sehen und so entschlossen oder weihevoll sie sich auf Fotos geben - still, aber unausweichlich mischt sich in die heroischen Absichten immer auch ein Moment von Slapstick. Als Ché Guevara mit den Castro-Brüdern eine kubanische Kaserne angriff, warf Raúl Castro mutig und entschlossen Dynamit ohne Zünder, und die alten brasilianischen Granaten plumpsten gemütlich auf den Boden, ohne zu explodieren - eine buchstäblich lautlose Aktion, beinahe geeignet für einen Tati-Film. Auf den berühmten Fotos Ché Guevaras sind solche banalen Pleiten natürlich genauso wenig zu erahnen wie die selbstmörderische Lebensangst von Marilyn Monroe auf deren Glamourshots.

Die Medienmaschine hält sich, was Fotos betrifft, fast komplizenhaft an die ikonischen Revoluzzerposen und zeigt heroische Selbstinszenierungen oder (was hier fast das gleiche ist) Fahndungsfotos als schaurige Unterhaltung, als Gruselspaß. Ob Ché Guevara, Marilyn Monroe oder Patty Hearst - die als angeblicher Informationsträger massenmedial veröffentliche Fotografie führt ein Eigenleben, bleibt von der politischen Tendenz des zugehörigen Textes unberührt, ist vielmehr Motor und Ausdruck einer unscharfen Vermengung von Pop und Politik.


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