Author:   Kevin Wells  
Posted: 10.04.2002; 11:15:10
Topic: ARCHIV - DAS TIER IN MIR - KÜNSTLER 03
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DAS TIER IN MIR << zurückweiter >>

Franz Marc


FRANZ MARC

»Ich sehe kein glücklicheres Mittel zur Animalisierung der Kunst als das Tierbild.«
Für Franz Marc (geboren 1880 in München, gestorben 1916 vor Verdun) ist die Darstellung insbesondere des Pferdes unerschöpfliches Thema und mythisches Leitmotiv der Entwicklung seiner Vorstellungen von der utopischen Kraft der Malerei. Beeindruckt vom Impressionismus sowie von van Gogh und in freundschaftlichem Kontakt mit Kandinsky, Macke und Münter sucht Marc im Symbolgehalt der Farbe höhere, spirituelle Seinsebenen zu
erkennen. Auf seiner pantheistisch-
kosmologischen Suche wird ihm das Auge des Tieres zum Gewährsort ganz anderen Sehens. »Gibt es für Künstler eine geheimnisvollere Idee als die, wie sich wohl die Natur in dem Auge eines Tieres spiegelt? Wie sieht ein Pferd die Welt oder ein Adler, ein Reh oder ein Hund? Wie armselig, seelenlos ist
unsere Konvention, Tiere in eine Landschaft zu setzen, die unsren Augen zugehört, statt uns in die Seele des Tieres zu versenken.« Ein empfindungsreicher Glaube an die sensitiven, den Menschen beinahe übertreffenden spirituellen Fähigkeiten der Tiere sind der Weg, »ihr absolutes Wesen, das hinter dem Schein lebt«, zu erkennen. »Die Kunst ist metaphysisch, wird es sein; sie kann es erst heute sein. Die Kunst wird sich von Menschenzwecken und Menschenwollen befreien«, glaubt Marc.
Strukturierte Naturnähe in empfindsam gesehener, kraftvoller Plastizität zeigt sich in der skulpturalen Gruppe »Zwei Pferde« (1908). Zugleich ist die Suche nach der Autarkie der animalischen Natur getragen von den Gesetzlichkeiten der Farbe und der Form.
Insofern erscheinen in »Blaue Fohlen« die Pferde ornamental in die Fläche
gebannt. Im Bildaufbau den Grundfarben vertrauend, wird die natürliche Energie der Tiere in ein konstruktives Miteinander gesetzt. Die Fohlen erscheinen in typisierter Vitalität und
signalisieren in der blauen Färbung
zugleich Ferne, Spiritualität. Das Bild entsteht 1913, im Jahr des »Turms der Blauen Pferde«, der seit dem Zweiten Weltkrieg angeblich verschollenen Ikone des Expressionismus. 1913 deutet sich nochmals das »Ziel« an, zu dem sich Marc 1911 als einer der »Wilden Maler Deutschlands« bekannt hat: »Durch ihre Arbeit ihrer Zeit 'Symbole' zu schaffen, die auf die Altäre der kommenden geistigen Religion gehören und hinter denen der technische Erzeuger verschwindet.« DT

Christian von Holst (Hg.): Franz Marc – Pferde. Kat. Staatsgalerie Stuttgart 2000


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