Author:   Kevin Wells  
Posted: 20.01.2002; 13:14:48
Topic: AUSSTELLUNGEN - KÜNSTLER 39
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BIG NOTHING << zurückweiter >>
Lawrence Weiner

geboren 1942 in New York, lebt und arbeitet in New York und Amsterdam

»1. Der Künstler kann die Arbeit machen
2. Die Arbeit kann von einer anderen Person hergestellt werden
3. Die Arbeit muß nicht realisiert werden
Jede dieser Lösungen ist gleichwertig und entspricht der Intention des Künstlers; die Entscheidung über den Zustand liegt beim Empfänger nach der Übernahme.«

Sein frühes Statement von 1966, mit dem Lawrence Weiner auch in der von Gerd de Vries 1974 herausgegebenen Sammlung von Konzeptkunst-Texten »On Art/ Über Kunst« vertreten ist, gilt programmatisch für sein Werk. In konsequenter Weise löscht das Konzept die Idee des Originals aus. Auch wenn materielle Installationen als Wahrnehmungs- oder Vorstellungsanwei-sungen des Künstlers entstehen, ist deren wesentliches Medium Schrift und Sprache. In der Ablehnung aller konventionellen Versatzstücke aus dem »Jargon praktischer Kunst« betreibt die Konzeptkunst die Auslöschung der klassischen Autorität des Künstlers wie des Werkes. In der präzisen Gestaltung der Situation nimmt Weiner zwar die Rolle des professionellen Künstlers ein, vermeidet aber jeden Ausdruck einer künstlerischen Handschrift. Das Werk wird zur offenen Struktur: »Wenn man sich mit Sprache befaßt, dann gibt es keinen Rand, über den das Bild hinausgeht oder von dem es hinabfällt. Man hat es mit etwas vollkommen Unbegrenztem zu tun.« Im konzeptuellen Werk verkehrt sich der Text als Sekundärinformation zur Primärinformation, die sich darum bemüht, im materiellen Sinne so reizlos wie möglich zu bleiben: eine radikale Umkehrung herkömmlicher künstlerischer Repräsentation. Sprache als Vermittlungsträger ist ein Abstraktum und an sich ungegenständlich: »Sprache, weil sie die ungegenständlichste Sache ist, die wir je in dieser Welt entwickelt haben, endet nie.« Alles Inhaltliche, das nicht im Objekt materiell existent ist, ist von äußeren Umständen abhängige Konstruktion und Interpretation. Frühe Arbeiten Weiners wie »Ein Quart grüne Industrielackfarbe an eine Backsteinwand« (1971) betreiben eine völlige Transparenz der Produktion, indem Konzept und Realisation konkret zur Deckung gebracht werden. In der Folge entwickeln sich Weiners Arbeiten vom Statement zur poetischen Rezeptur. Der Ort des »Werkes« wird zum potentiellen Raum, der durch Vorstellung veränderlich ist. Unter Einfluß des Textes konstruiert die Vorstellung des Rezipienten seine Wahrnehmung dieses »offenen« Ortes, die bis hinein in die Produktion unterschiedlicher emotionaler Zuständlichkeiten reicht.