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inactiveTopic AUSSTELLUNGEN - KÜNSTLER 31 topic started 20.01.2002; 13:09:07
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user Kevin Wells - AUSSTELLUNGEN - KÜNSTLER 31  blueArrow
20.01.2002; 13:09:07 (reads: 8247, responses: 0)
BIG NOTHING << zurückweiter >>
Albert Oehlen

geboren 1954 in Krefeld, lebt und arbeitet in Köln

»Seit 15 Jahren geht es mir eigentlich darum, Sachen wegzuschmeißen, auszuschließen. Im Grunde hat sich alles bei mir entwickelt aus Negation, aus Ablehnung: der Illusion, der Emotion, der Trickkiste, des Wir-Gefühls, bis ich zu dieser vielleicht illusorischen Vorstellung einer Autonomie kam.«
Aber da für Albert Oehlen die Auseinandersetzung mit der Malerei »so schön und richtig« bleibt, läßt er sich auf das Risiko ein, daß jede Negation irgendwann selbst ins Positiv kippen kann. Die bewußte Entmystifizierung wird schließlich wiederum mystifiziert und vom Kunstbetrieb vereinnahmt.
In den 80er Jahren betreibt der Polkeschüler Oehlen wie Werner Büttner, Georg Herold und Martin Kippenberger eine Gegen-Kunst, die sich ebenso politisch wie kritisch gegenüber der eigenen Profession und deren Strukturen verhält. Als »Junge Wilde« zum Kunstphänomen gebündelt, provozieren sie mit einer exzessiven Malerei, die die Malerei selbst in Frage stellt. Oehlens Malerei ist Institutionskritik der betriebsinternen Strukturen, eine Abrechnung mit den Avantgarden und die »Entlarvung der im Künstlerbild getarnten &Mac221;kleinbürgerlichen Bedürfnisse&Mac220;«, wie Roberto Ohrt es bezeichnet. In der sechsteiligen Serie »o.T. (nur nicht überanstrengen)« exerziert der professionelle Künstler einen mehr als dilettantisch erscheinenden Durchlauf der Techniken der Malerei. Die Aufgabenstellungen kennt man aus dem Kunstunterricht: Portrait, perspektivische Konstruktion, Licht- und Schattenstudie, gefolgt von abstrakter Komposition. Der Stil von Oehlens Malerei unterscheidet sich nicht wesentlich von dem eines nur matt ambitionierten Schülers, der seine Unterrichtsaufgaben erfüllt. Kunst findet hier im Sichtbaren wohl kaum statt – Kunst muß etwas anderes sein. Und so fragt es sich, ob Kunst selbst erlernbar ist und was Malerei überhaupt sein kann. »Bilder sollen nicht authentisch sein, sondern taktisch richtig«, so liest man seinerzeit in der von Oehlen und Herold mitherausgegebenen Künstlerzeitschrift »dum-dum«. Oehlens Arbeit versucht ein Trotzdem: Eine Malerei, die die Malerei innerhalb der Möglichkeiten, die ihr bleiben, ernst nimmt. Eine Malerei nach der Malerei, da sie keine »Bilder« mehr produzieren will: »Es geht mir um Eliminierung, es geht darum, das &Mac221;weiße Bild&Mac220; abzuliefern, nur daß das wieder zu schematisch wäre. Solange die Widerlegung von Malerei sich noch der Malerei bedienen kann, ist sie nicht widerlegt.«