Author:   Kevin Wells  
Posted: 20.01.2002; 13:08:25
Topic: AUSSTELLUNGEN - KÜNSTLER 30
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BIG NOTHING << zurückweiter >>
Barnett Newman

geboren 1905 in New York, ebenda gestorben 1970

Barnett Newman ist einer der wichtigsten Maler des amerikanischen Abstrakten Expressionismus. Für ihn bringt reine Farbe das Nichtfaßbare eher zur Erscheinung als der gestisch geführte Pinselstrich. Newman hat damit der Malerei wesentliche Dimensionen der ihr innewohnenden Spiritualität erschlossen, die auf eine umfassende anthropologisch gegründete Vergewisserung des Menschen im Körpermaß baut. Befreundet mit Clyfford Still und Jackson Pollock, gründet er zusammen mit Robert Motherwell und Mark Rothko 1948 die für das Selbstverständnis der amerikanischen Malerei wegweisende Schule »The Subject of the Artist«, die der Malerei spirituelle Aufgaben zuweist. »Die Imagination (des zeitgenössischen Malers) versucht, in die metaphysischen Geheimnisse zu dringen. In diesem Sinne verkörpert seine Kunst das Erhabene. Es ist eine religiöse Kunst, die durch Symbole die grundlegenden Wahrheiten des Lebens erfassen will, das im Wesentlichen eine Tragödie ist« (Barnett Newman, 1945). Aus biomorphen, surrealen Kompositionsstrukturen entwickelt er in seinen Gemälden abstrakte, zumeist homogene, teilweise riesige monochrome Farbflä-chen, durch vertikale Streifen, sogenannte »Zips«, strukturiert. Das Multiple »The Moment« (1966) rekurriert u.a. auf »Moment« (1946), das erste Gemälde mit einem Zip überhaupt. Hochschmal ist ein ultramarinblaues Farbfeld von zwei kobaltblauen »Zips« bündig zum Rand gefaßt, auf Plexiglas gedruckt und einem Holzkeilrahmen befestigt. Die dem Werk innewohnende Dynamik gründet in der subtilen Komposition. Der linke Zip beginnt unten schmaler, als er oben endet, beim rechten ist dies umgekehrt. Es entsteht eine vibrierende Spannung, welche die Wahrnehmung irritiert. »Letztendlich zählt Größe nicht. Ob ein Staffeleibild schmal ist oder groß, das ist nicht der Punkt. Nicht die Größe zählt. Es ist das Maß, das zählt. Es ist das menschliche Maß, das zählt, und der einzige Weg, das menschliche Maß zu erreichen, ist durch Gehalt« (Barnett Newman, 1970). Programmatisch hat er das Thema des Künstlers 1947 so formuliert: »… aus dem Nichtrealen etwas hervorbringen, aus dem Chaos der Ekstase etwas, das die Erinnerung beschwört an die Empfindung eines bereits erfahrenen Augenblicks (der totalen Realität) einer umfassenden Wirklich-keit.« Für ihn ist Malerei Bestimmung und Definition der menschlichen Existenz im Ungreifbaren: »The Sublime is now« (Barnett Newman, 1948).