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inactiveTopic AUSSTELLUNGEN - KÜNSTLER 28 topic started 20.01.2002; 13:07:10
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user Kevin Wells - AUSSTELLUNGEN - KÜNSTLER 28  blueArrow
20.01.2002; 13:07:10 (reads: 8181, responses: 0)
BIG NOTHING << zurückweiter >>
Henry Moore

geboren 1898 in Castlefort, gestorben 1986 in Much Hadham

»Das erste Loch, das man in ein Stück Stein bohrt, ist eine Offenbarung. Das Loch verbindet eine Seite mit der anderen und macht das Ganze sofort deutlich dreidimensional. Ein Loch kann an sich ebensoviel Formbedeutungen haben wie eine feste Masse. Skulptur in Luft ist dort möglich, wo der Stein nur das Loch enthält, das die ins Auge gefaßte Form ist.«
Henry Moore beginnt in den 30er Jahren damit, Löcher in seinen Skulpturen zu verwenden. Das negative Volumen wird zum dynamischen Gestaltungsprinzip und verbindet den immateriellen und den materiellen Raum zur spannungsvollen Einheit.
»Head: Cyclops«, der Zyklopenkopf von 1963, zählt zur Werkgruppe der Helme. In wenigen zentralen Motiven variiert Moore seine Themen und bildet Archetypen aus, die jenseits einer individuellen Darstellung auf die Idee ihrer Motive zielen. Trotz seiner Nähe zum Surrealismus und einigen abstrakten bildhauerischen Experimenten bleibt Moore dem Gegenständlichen verpflichtet. Als Ende der 30er Jahre seine »Stringed Figures« als rein abstrakte Skulpturen entstanden waren, äußert er sich kritisch zu dem, was er als die eigentliche Aufgabe der Kunst versteht: »Sie [die Stringed Figures] machten mir Spaß, aber es hätte mehr als ein Experiment sein müssen, um mich wirklich zu befriedigen. Das Experiment ist etwas ganz anderes, als die Gestaltung eines starken menschlichen Erlebnisses, das man vielleicht hatte. Als der Krieg begann, gab ich solche Dinge auf.« Statt dessen entsteht 1939, unmittelbar nachdem in Europa der Krieg ausgebrochen ist und sich zu einem gesamteuropäischen Drama zu entwickeln beginnt, sein erster Helm. Die Erfahrung von Krieg und Tod wird darin zum existentiellen Ausdruck reduziert: Die Idee, daß eine Form eine andere beschützt und darin auch über das Prinzip von Gewalt und Tod spricht, abstrahiert sich formal im »Innen« und »Außen«. In vielen der späteren Helme verschwindet der Kopf zum Teil völlig. Der Helm wird zur leeren Hülle, die nur noch den Verlust bezeichnen kann. Im Zyklopenkopf, als dessen Variation, zieht sich die Form nach innen, als würde sich der Raum im oberen Bereich der Figur in der Zurückweichung verdichten und wie ein schwarzes Loch in ihr verschwinden. Das Auge des Zyklopen wird zur spiralförmigen Mulde, in deren nach innen gerichtetem Sehen sich die Blickrichtung verkehrt.