Author:   Kevin Wells  
Posted: 20.01.2002; 13:03:08
Topic: AUSSTELLUNGEN - KÜNSTLER 22
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BIG NOTHING << zurückweiter >>
Walter de Maria

geboren 1935 in Albany/Kalifornien, lebt in New York

Das Werk von Walter de Maria ist nur unzureichend mit »Minimal Art« oder »Land Art« beschrieben. Mit spektakulären Realisationen wie dem »Vertikalen Erdkilometer« (1977) zur Documenta in Kassel, dem »Lightning Field« (1977) in der Wüste in New Mexiko, der »5 Kontinente Skulptur« (1987–89) und der »The 2000 Sculpture« (1992) schreibt de Maria in weiträumigen Land-schaftsprojekten und aufwendigen Museumsinszenierungen der Kunst den Anspruch auf transzendente Universa-lität zu. Elementares als Zahlenverhältnis und geometrische Form, als Sprache und Gegenstand, als bloßes Material faßt de Maria als wichtige Dimensionen der menschlichen Aneignung von Realität auf und stellt diese der Landschaft, der Erde, der Welt, dem Kosmos, dem Unendlichen, dem nicht Faßbaren entgegen. Programmatisch fordert er 1960 »Werke ohne Bedeutung« ein: »Das ästhetische Empfinden durch Werke ohne Bedeutung kann nicht genau beschrieben werden, weil es mit jedem Individuum variiert, das diese Werke ausführt. Bedeutungslose Werke sind ehrlich. (...) Es kann dich veranlassen, dich selbst zu fühlen oder über dich selbst nachzudenken, über die äußere Welt, über Moral, Realität, Unterbewußtsein, Natur, Geschichte, Zeit, Philosophie, über überhaupt nichts, über Politik, etc. ohne die Begrenztheit traditioneller Kunstformen« (de Maria 1960). »Invisible Drawings« (1963) sind Zeichnungen in repräsentativem Format, frühe materielle Manifestationen einer Kunstauffassung, die sich literarischen Bedeutungen verweigert. Durchaus dicht an der Grenze zur Sichtbarkeit und zart angelegt, sind sie Setzungen, die Assoziationen provozieren, ohne auf eindeutige Interpretationen aus zu sein. Die kargen Mittel stehen im Gegensatz zu dem programmatischen Schwergewicht. »Word« verweist auf die elementare, in begrenzter Eindeutigkeit nur menschlich mögliche Verständigung durch Sprache und Schrift. Mit »I hate Paul Klee« erteilt de Maria jenem Maler und Zeichner eine Absage, dessen Kunst-Lehre den Elementen der Zeichenkunst universale Bedeutung in den europäischen literarisch-humanistischen Traditionen zugewiesen hat. De Maria scheint so einen Nullpunkt zu umkreisen,
von dem aus eine betont asketische Ästhetik seit 1960 ihren Siegeszug durch die Kunstwelt angetreten hat, um eine grenzenlose und zeitlose Kunstsprache einzufordern, die mittlerweile ihren historischen Ort und damit ihre begrenzte Bedeutung hat.