Author:   Kevin Wells  
Posted: 08.09.2001; 16:37:39
Topic: ARCHIV - ICH BIN MEIN AUTO - THEMEN/FRAGEN - 02
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Andrew Bush


Andrew Bush


AUTO - KÖRPER


Der Surrealismus interessierte sich für die sexualisierte, leibähnliche Körperhaftigkeit des selbstbewegten Kraftfahrzeuges, ein Impuls, der noch bei Alberto Giacometti "Auf dem Automobilsalon" 1957 nachwirkte: "Das Auto (...) stammt nicht nur von der Kutsche, sondern vom Pferd und der Kutsche ab. Das daraus hervorgegangene Produkt ist gewiss merkwürdig: ein vollkommen mechanischer Organismus, der Augen hat, einen Mund, ein Herz und Eingeweide; er isst, er trinkt und arbeitet so lange, bis er zusammenbricht – was für eine absonderliche Parodie auf ein lebendes Wesen."

Von Anbeginn war die Rede über das Auto vor allem aber eine anthropologisch gefärbte, ein Diskurs über das Selbstverständnis der Menschen - durch die Verschiebung auf die Maschine nur knapp verschlüsselt. So sind diese Maschinen Nachbarn für uns geworden, in denen und mit deren Hilfe wir uns spiegeln. In gewisser Hinsicht sind die Autos Ebenbilder der Menschen, die in ihnen herumfahren und über sie reden.

Dass das individuelle Automobil als soziales Zeichen genauso eng zu seiner Fahrerin oder zu seinem Fahrer gehört wie ihre oder seine Kleidung, zeigen die Fotografien von Andrew Bush. Der Mensch benutzt sein Auto auch als fahrende Visitenkarte.