Author:   Kevin Wells  
Posted: 22.06.2001; 15:40:02
Topic: ARCHIV - AUS DER FERNE SO NAH - THEMEN/FRAGEN - 01
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Füsun Onur

FÜSUN ONUR

Ausgangspunkt und Zentrum der Ausstellung ist die Installation "Opus II – Phantasia", die Füsun Onur für die Räume der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden konzipiert hat und mit der sie ihre seit fünf Jahren entwickelte Serie von musikalischen Kunstwerken fortsetzt. Die Künstlerin selbst beschreibt diese Transformationen von unsichtbarer Musik in unhörbare räumliche Bezugssysteme als Ausdruck der Synästhesie, die unsere sinnliche Wahrnehmung bestimmt: "Wenn ich Musik höre, kann ich sie fast berühren. Ich fühle ihre Weichheit oder Härte, sehe ihre Farbe. Ich nehme den Raum wahr, den die Musik schafft." Das Inventar ihrer Raum-Partituren findet Onur auf der Straße, im Bazar oder in den Kunsträumen selbst. So wählte sie etwa für die Ausstellung "Prelude" (2000) in der Mudo Maçka Sanat Galerisi in Istanbul Legosteine, Hämmer, Tüll und Tische, um ihren Grenzgang zwischen der mathematischen Präzision kompositorischer Grundstrukturen und der Ungreifbarkeit sinnlicher Wahrnehmung zu realisieren.

Das Beharren auf der Bedeutsamkeit der individuellen Erfahrung und die Verwendung von Alltagsmaterialien und Fundstücken kennzeichnen die Objekte und Environments Füsun Onurs von Beginn der 70er Jahre an. Seit damals erstellt die 1938 in Istanbul geborene Künstlerin konsequent das fragile, oft vergängliche Mobiliar ihrer privaten Mythologie. Glasscheiben, Wollfäden, Tüllgespinste, hölzerne Gerüste, Kleider, Stühle, Kisten und Bälle sind die Stoffe, aus denen sie ihre ephemeren Objekte und Empfindungsräume von spröder Poesie baut. Die Entwicklung dieses komplexen Oeuvres wird der Katalog zur Ausstellung anhand zahlreicher bisher unveröffentlichter Fotografien dokumentieren und damit erstmals einen Überblick über das Schaffen dieser ungewöhnlichen Künstlerin ermöglichen.