Author:   Kevin Wells  
Posted: 21.03.2001; 16:25:51
Topic: ARCHIV KÜNSTLER 04 BIG NOTHING
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BIG NOTHING << zurückweiter >>
John Cage

geboren 1912 in Los Angeles, gestorben 1992 in New York

John Cage war Komponist, Musiktheoretiker, Dichter und Schriftsteller, Maler und Zeichner, weltweit einer der einflußreichsten Künstler. Cage hat neue Räume der Musik erobert und ist wegweisend für die gegenwärtige Crossover- und Intermedia- Kultur. Am Black-mountain College, North Carolina, wirkten unter der Leitung von Josef Albers neben John Cage der Dichter Charles Olson, der Maler Robert Rauschenberg, der Tänzer und Choreograf Merce Cunningham. Es ist der Kreis, dem die Musikgeschichte »4´33´´«, das wohl radikalste Musikstück verdankt, am 29. August 1952 in Wood-stock, New York, uraufgeführt. »Bei dieser Aufführung – die Dauer der Einzelsätze war 33´´, 2´40´´ und 1´20´´ – habe Tudor zu Beginn jedes Satzes die Klappe über den Klaviertasten geschlossen und nach Verstreichen der Dauer jeweils wieder aufgehoben« (Herbert Henck). Die Länge der Sätze wurde durch Zufallsoperationen mit dem chinesischen I Ging festgelegt. Gemessen an der traditionellen Vorstellung von Musik als eines durch Töne und Rhythmus sich entwickelnden Klanggebildes, wird »Silence«, die Stille, das sonst nicht Gehörte, gleichwohl akustisch Gegenwärtige und zugleich Abwesende bzw. künstlerisch nicht Kontrol-lierte ins Bewußtsein gerückt, denn: »Ich habe nichts zu sagen und ich sage es und das ist die Poesie, die ich brauche. Dieser Raum der Zeit ist geordnet. Wir müssen diese Stille nicht fürchten – wir mögen sie lieben« (John Cage, 1961). »4´33´´« steht – musikhistorisch gesehen – so den radikalen Setzungen Marcel Duchamps oder Kasimir Malewitschs nahe. Die Eliminierung von Hierarchien, das Zulassen von akustischen Ereignissen des Alltäg-lichen jenseits künstlerischer Kontrolle stellt den abendländischen Werkbegriff der Komposition in Frage, der bei Cage durch Beschäftigung mit dem Zen-Buddhismus vom Nichts als umfassender Ganzheit ausgeht. »Dieses Spiel bedeutet die Bejahung des Lebens wie auch immer – weder den Versuch, Ordnung aus dem Chaos hervorzubringen, noch die Schöpfung zu verbessern, sondern einfach ein Weg, sich dem Leben, das wir leben, zu öffnen, das so vortrefflich ist, wenn man erst einmal sein Bewußtsein und seine Wünsche aus dem Weg geräumt hat und es sich aus sich selbst heraus entfalten läßt.« (John Cage, 1961)