Author:   Kevin Wells  
Posted: 22.01.2001; 21:50:56
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN POLEN/SCHAERF
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Jadwiga Sawicka, "Marynarka" ("Jackett"), 1998,
Farbfotografie, Foto: Marek Horwat

JADWIGA SAWICKA

Die Flut der Werbung und das Überangebot an Waren ist Normalität. Allen steht das gleiche zur Verfügung: identische Waschmittel, Getränke, Autos, die sich genau wie Rockstars über Videoclips vermitteln. Die Namen sind überall in der Welt identisch, überall das gleiche Spiel. Das, was Ost und West einst voneinander trennte, schließt sich heute auf einfache Weise zu einem gut miteinander kommunizierenden Weltstamm der Konsumenten zusammen, oder auch vielleicht zu zwei Stämmen, dem Pepsi-Cola- und dem Coca-Cola-Stamm. Die Konzeptkünstlerin Jadwiga Sawicka, die in unterschiedlichen Medien wie Plastilinskulpturen, Gemälden und Fotografien arbeitet, bedient sich einer prägnanten Formensprache, die von ihr immer so formuliert wird, dass der schmale Steg von Bedeutungen, über den sie dahinschreitet, stets schwankt. Zwei Fotozyklen: die Köpfe der Gefährten der allgegenwärtigen Barbie-Puppe Ken, Frank, Action Man und die Blüten von Dahlien wurden miteinander verbunden. Die Industrieprodukte - Eigentum des Kollektivbewussteins - und die Frischware aus dem Garten wurden durch den gleichen Hintergrund und die gleiche Zentralkomposition vereinheitlicht. Die ausgewählten Blüten sind so schön, dass sie wie künstliche Blumen wirken, während der gemeinsame Hintergrund aus - tatsächlich - künstlichem Leder besteht: eine Hülle ähnlich der wirklichen, geradezu naturidentisch, sogar besser, fast unzerstörbar. Und dieser Zustand wird sich sicher auch nie ändern. Die für immer fixierten Gesichtszüge und die Mimik eines jeden dieser "Heroen" bleiben gleich, über die Jahre hinweg, ein Mosaik ewiger Schönheit. Ihr Leben, ihr schadloses Überdauern ist gewährleistet und perfekt. Dauer, vor allem spirituelle Kontinuität scheint auch jene einfach banal präsentierte Kommunionskleidung zu beanspruchen, die Sawicka in einer weiteren Fotoserie zeigt und die ohne den menschlichen Körper, wie eine leere Hülle zu einer Attrappe ihrer selbst wird.

JADWIGA SAWICKA, geboren 1959 in Przemysl. Sie studierte Malerei an der Kunstakademie in Krakau, Studienabschluss 1984. Sie lebt und wirkt in Przemysl.

EINZELAUSTELLUNGEN
1997 Powraca dawne uczucie, Otwarta Pracownia (Offene Werkstatt), Krakau; Brak sensu dokucza, CSW Zamek Ujazdowski, Warschau; 1998 Forma wzywa do uzycia, Galerie Foksal, Warschau; 1999 Podatnosc materialow, Galerie Zacheta, Warschau; Przelewanie z pustego (mit Michael Wittaski), Otwarta Pracownia (Offene Werkstatt), Krakau;Ani prosba ani grozba, Moderne Kunst-Galerie, Przemysl; 2000 Dis/joint Roz/laczenie (mit Roger Perkins), Otwarta Pracownia (Offene Werkstatt), Krakau.