Previous topic: Next topic:
inactiveTopic ARCHIV AUSSTELLUNGEN POLEN/SCHAERF topic started 22.01.2001; 21:49:43
last post 22.01.2001; 21:49:43
user Kevin Wells - ARCHIV AUSSTELLUNGEN POLEN/SCHAERF  blueArrow
22.01.2001; 21:49:43 (reads: 8353, responses: 0)
IN FREIHEIT ENDLICH – POLNISCHE KUNST NACH 1989 << zurückweiter >>

ARTUR ZMIJEWSKI

Die Werkgruppe Auge um Auge (1998) von Artur Zmijewski besteht aus einem Film und einer umfangreichen Fotoserie behinderter Menschen – Mitglieder eines Sportvereins – mit ihren Körpern ohne Hände oder Beine, denen gesunde Menschen ihre Glieder "leihen". Sie bringen die verlorenen Körperfunktionen wenigstens für einen Augenblick wieder. Es entstehen so menschliche Hybriden. Die Sprache der Körper ist unmittelbar und die Behinderung sichtbar, die Prothese nur zeitweilig, fiktiv. Es sind Bilder, die den Betrachter schockieren mögen, ihn zugleich Zweifel hegen lassen an der Plausibilität seines eigenen durch Erziehung, gesellschaftliche wie persönliche Erfahrungen geprägten Körperbildes. "Auge um Auge" spielt an auf das alttestamentliche Gesetz, das eine an der praktischen Natur orientierten Ausgeglichenheit der Verhältnisse einfordert. Zmijewski lässt sich in seinen Arbeiten von einem Skeptizismus gegenüber der Kultivierung des Menschen und von Zweifeln an der Norm leiten, die den Unterschied zwischen Naturalismus und Humanismus als aufgehoben betrachtet. Er bleibt keiner positiven Utopie verpflichtet und spricht sich dennoch für das Individuum aus. Kunst ist bei Artur Zmijewski als ein Instrument der Erkenntnis des Menschen in seinen Lebensverhältnissen und Körperbildern. Er betrachtet Kunst als tragfähiges Terrain für "mentale Erfindungen”, da sie "einen irrationalen Bereich im Rahmen der rationalen Gesellschaft" bildet. Seine Werkgruppen sind präzise konzipierte Maßnahmen zur Erkenntnis der "Missverständnisinseln" innerhalb des gesellschaftlichen Systems. Sichtbar wird, dass Zmijewski aus dem Normdenken hinaus in die Richtung dunkler, scheinbar peripherer Regionen führt.

ARTUR ZMIJEWSKI, geboren 1966 in Warschau. In den Jahren 1990 – 1995 studierte er Skulptur in der Werkstatt von Grzegorz Kowalski an der Kunstakademie in Warschau. Der Redakteur der Zeitschrift "Czereja” beschäftigt sich auch mit Kunstkritik und der Organisation von Ausstellungen. 2000 hat er den Preis der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo Per L’Arte "Guarene 2000” erhalten. Er lebt und wirkt in Warschau.

EINZELAUSTELLUNGEN
1995 Akty, Galerie a.r.t., Plock; Tozsamosc dzidzi, Galeria Przyjaciol Akademii Ruchu, Warschau, 1996 Spiew sardynek, Galerie a.r.t., Plock; 1998 Oko za oko, CSW Zamek Ujazdowski, Warschau.