Author:   graesser  
Posted: 11.10.2000; 17:14:03
Topic: ARCHIV AUSSTELLUNGEN YUME NO ATO
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YUME NO ATO - WAS VOM TRAUM BLIEB... << zurückweiter >>
Mein eigenes Gehirn war mit der Gehirnschädigung meines Kindes ausgefüllt. Die Eltern behinderter Kinder werden selbst in gewisser Weise zu Behinderten. Ich verlor das Vertrauen in jegliche Kunstproduktion. In den Folgejahren sind mein Sohn und ich zusammen aufgewachsen. Ich lernte von ihm und wurde durch ihn ermutigt. Es wird oft gesagt, daß Kindererziehung auch Selbsterziehung bedeutet. Während ich, vermittelt durch die Gehirnschädigung meines Sohnes, lernte, begann ich verschiedene Probleme von ”disabilities” (i. S. von Behinderung, Unvermögen) zu beobachten und fragte mich, ob ich sie in die Sprache der Kunst für eine größere Öffentlichkeit übersetzen könnte. So begann ich wieder künstlerisch zu arbeiten, zum Teil als eine Art Rehabilitation für mich selbst. Deshalb ist die ”Art of Different Abilities” zugleich die ”Kunst, die sich mit verschiedenen Problemen von `Behinderung´” auseinandersetzt. Sie kam zum Vorschein, indem ich meine eigenen Unzulänglichkeiten akzeptierte und mich mit ihnen befaßte. Zugleich war es eine Möglichkeit, ”andere Menschen” aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mit zeitgenössischer Kunst zu konfrontieren, die zumeist als eine autonome Bewegung fern der Gesellschaft funktioniert. In diesem Sinne könnte ”Art of Different Abilities” auch beschrieben werden als Möglichkeit, Kunst zu rehabilitieren, sie wieder relevant zu machen für das Leben der Gesellschaft.

Chiaki WADA