ICH BIN MEIN AUTO << zurückweiter >>

Stefan Hoderlein

Stefan Hoderlein

Zwei Raver werden bei einer nächtlichen Autofahrt gefilmt. Ihre Ausgelassenheit und Lebenslust äußern sich in rhythmischen Bewegungen auf dem Vordersitz eines Opels aus den achtziger Jahren. Es wird viel gelacht und geredet. Irgendwann wirft der Fahrer, Hoderlein selbst, voller Übermut ein Plüschtier aus dem Dachfenster des Wagens. Begleitet wird die nächtliche Ravetour durch die Großstadt von der für Hoderlein obligatorischen Technomusik.
Das Spontanvideo "Mental Mayhem", das der Künstler mit Hilfe einer auf die Kühlerhaube des Opels montierten Kamera gefilmt hat, verbindet kongenial den Mythos Auto mit dem mittlerweile mythischen Charakter der Raverszene der achtziger und neunziger Jahre. Die Autofahrt ist nicht nur die filmische Umsetzung der Musik, sondern Autofahrt und Musik gehen mit den Ravern als verbindendem Element ineinander auf. Es sind ihre Bewegungen, die den Rhythmusflow von Musik und Auto harmonisieren und zueinander in Beziehung setzen.
In "Mental Mayhem" wird das Auto zum erweiterten Innenraum, zum verlängerten Dancefloor, so daß sich die Kategorien des Ortes verschieben. Als Teil eines selbstverständlich gewordenen und nicht mehr hinterfragten Lebensraumes fügt sich das Auto in die natürliche Umwelt des Menschen ein und wird zum Mikrokosmos. Die Grenze zwischen Privatraum und öffentlichem Raum ist aufgehoben. Alltagsraum und inszenierter Raum treffen sich und fügen sich zusammen. Auf dieser Grundlage wird für den Künstler alles zum Material und die Entgrenzung zum künstlerischen Prinzip.
Leitmotivisch durchziehen Musik (Techno) und Tanz (Rave) das Oeuvre des Video- und Installationskünstlers Hoderlein (geboren 1960 in Düsseldorf), für den die Musik lebensbestimmendes Element und selbstverständliches Material für sein künstlerisches Schaffen ist. So weist auch seine künstlerische Strategie vielfach Parallelen zum Vorgehen der Techno-Musiker auf: Mehrere Spuren werden übereinander gelegt, um verschiedene Bedeutungsebenen erlebbar zu machen. Das Sampling, die Struktur von Schichtung und Anhäufung, inspirierte Arbeiten wie "Feuerzeuge" von 1995 und "Bilder aus der Jetztzeit" von 1997, einer Ansammlung von Hunderten von Dias aus seiner persönlichen Biographie, die der Künstler zu einer Rauminstallation zusammenfügt, in der sich Erfahrung und Dasein verdichten. UT